Homöopathie für Hunde – Teil 3 – Was summt denn da?

Der Sommer ist da – und mit ihm Bienen, Wespen und andere Insekten. Ich erfreue mich sehr am fleißigen Summen und Brummen, doch einen Insektenstich wünsche ich weder Zwei- noch Vierbeiner. So schnell ist es passiert: Auf der Sommerwiese in eine Biene getreten oder nach einer vorbeifliegenden Wespe geschnappt … Der Schmerz kommt plötzlich und meist heftig, in seltenen Fällen besteht sogar akute Lebensgefahr. Auch hier kann die Homöopathie – neben bekannten Hausmitteln – gute Dienste leisten und Symptome sehr schnell lindern.

Erste Hilfe nach dem Insektenstich

Hat ein Insekt zugestochen, gilt es erst einmal den Hund zu beruhigen, bei einem Bienenstich den Stachel zu entfernen (dieser pumpt sonst noch weiter Gift in die Einstichwunde!) oder bei einem Zusammenstoß mit einem Erdwespennest das Fell auf festhängende Wespen zu untersuchen. Denken Sie an den Eigenschutz und legen Sie dem Hund im Zweifel eine Maulschlaufe oder einen Maulkorb an (selbstverständlich nicht bei Stichen im Maul- und Halsbereich oder Atem- und Kreislaufbeschwerden), damit er nicht in Schmerz und Panik die helfende Hand beißt. Der Schmerz nach einem Stich ist häufig groß und steht erst einmal im Vordergrund – lebensbedrohlich kann dann aber eine Schwellung im Maul- und Halsbereich, eine allergische Reaktion oder ein anaphylaktischer Schock werden. In allen Fällen lohnt es, vorbereitet zu sein und schnell zu handeln – ganz traditionell mit Kühlmöglichkeiten, Zwiebel und Essigwasser und mit dem passenden homöopathischen Mittel.

Bei einer starken allergischen Reaktion oder einem anaphylaktischen Schock sollten Sie so schnell wie möglich tierärztliche Hilfe suchen. Ist Ihnen diese Reaktion von ihrem Tier bekannt, fragen Sie Ihren Tierarzt schon vorab, ob er ein Notfallmittel verschreiben kann (z. B. ein Anti-Histaminikum oder Cortison). Bei Stichen im Maul- und Halsbereich sollte sowohl von außen als auch innerlich gekühlt werden, um ein Anschwellen zu vermindern. Für die innere Kühlung können Sie den Hund z. B. ein Eis lecken lassen oder kaltes Wasser in kleinen Portionen zu Trinken anbieten. Bei Stichen direkt im Bereich der Atemwege und einem generellen Anschwellen des Hals- und Kopfbereiches sollte ebenfalls dringend ein Tierarzt aufgesucht werden. Auf dem Weg zum Tierarzt oder bis dieser vor Ort eintrifft, aber auch bei nicht so schweren Fällen, kann das passende homöopathische Mittel lindern. Vorab aber noch ein wenig Theorie zur Homöopathie:

Homöopathie verstehen – Teil 3: 

Die Sache mit der Potenzierung

Samuel Hahnemann hatte herausgefunden, dass eine Arznei, die bei einem Gesunden Symptome hervorbringen kann, ähnliche Symptome bei einem Kranken zu heilen vermag.

Zu Beginn behandelte Hahnemann mit den Ursubstanzen, er verwendete Pflanzenteile, Mineralien oder andere Stoffe, die er verrieb oder aus denen er alkoholische Auszüge herstellte.

Gerne wollte er jedoch auch die Heilwirkung der zur damaligen Zeit üblichen Arzneien, wie Arsen, Schwefel, Blei und Quecksilber nutzen. In der Ursubstanz richteten diese allerdings viel zu viel Schaden an, weshalb er die Verwendung ja auch scharf kritisierte.

Er begann versuchsweise diese Stoffe zu verdünnen, musste jedoch feststellen, dass mit der Verdünnung zwar die Nebenwirkungen geringer wurden, allerdings gleichermaßen die Heilwirkung abnahm. Mehr oder weniger durch Zufall fiel ihm auf, dass die Heilwirkung nicht so stark abnahm, je sorgfältiger und länger er bei der Verdünnung die Substanzen verrieb oder verschüttelte und so experimentierte er weiter.

Die sogenannte Potenzierung (von Potenz = Kraft) war geboren. Sie besteht immer aus zwei Schritten: Verdünnen + Dynamisieren (verschütteln oder verreiben)

Durch die Potenzierung von Arzneien war es nun möglich die Wirkung hochgiftiger Substanzen zu nutzen, ohne ihre schädlichen Nebenwirkungen fürchten zu müssen.

Aber auch total harmlose Ausgangsstoffe wie z. B. das Kochsalz, der Kalk der Austernschale oder das Gänseblümchen entfalteten durch die Potenzierung ihre Kraft. Arzneimittel wie Natrium muriaticum (Kochsalz), Calcium carbonicum (Austernschalenkalk) und Bellis perennis (Gänseblümchen) sind heute aus der Homöopathie nicht mehr wegzudenken.

Da ist ja dann gar nichts mehr drin!

Wenn man das ganze materiell betrachtet ist das vollkommen richtig. Ab einer Potenz von ca. D24 bzw. C12 ist rein rechnerisch kein Molekül der Ausgangssubstanz mehr enthalten.

Bei der Homöopathie handelt es sich aber um eine Informationsmedizin. Ein Chemiker mag zwischen zwei Musik-CDs keinen Unterschied finden, chemisch gesehen ist da „nichts drauf“. Die Lieder auf der CD können aber aufgrund ihrer Information beim Hörer vollkommen unterschiedliche Emotionen und auch körperliche Reaktionen auslösen.

Wie genau die spezifischen Energien und Informationen einer Arznei in den Globuli oder anderen homöopathischen Zubereitungen durch die Potenzierung verstärkt und weitergegeben werden ist noch nicht geklärt. Erklärungsansätze gibt es zur Zeit u. a. aus der Nano-Technologie und der Quantenphysik.

Studien, die eine Wirksamkeit bestätigen gibt es inzwischen viele, auch wenn häufig das Gegenteil behauptet wird.

Buchtipp: Aleksandar Stefanovic – Das kann die Homöopathie / Similimum Verlag

Notfallmittel bei Insektenstichen

Bei Insektenstichen und darauf folgenden allergischen Reaktionen kommen je nach Symptomlage viele homöopathische Mittel in Betracht, diese vier aber gehören in jede Notfallapotheke: Ledum, Apis, Urtica und Carbolicum acidum.

Ledum palustre – Sumpfpforst Urtica Ures – kleine Brennnessel
Art des Stiches/ Indikation starke Reaktion auf Mückenstiche und Flohbisse Wespenstiche, Bienen- und Hornissenstiche Infizierte Stich- und Bisswunden (von giftigen Tieren) Bienenstiche, Wespen- und Hornissenstiche Flohbisse
Symptome Stich: fühlt sich ggf. kalt an! (Wärme ist kein Ausschlusskriterium), auf die Einstichstelle begrenzte Schwellung und heftiger (quälender) Juckreiz, Entzündungszeichen dem Tier ist kalt, aber Kälte bessert den Stich, das Tier will ggf. kalt baden Stich: Nesselsucht und Quaddelbildung weit über die Einstichstelle hinaus, starker generalisierter Juckreiz, Flüssigkeitsabsonderungen
Besser Kalte Anwendungen, kaltes Baden Reiben, Liegen
Schlechter lokale Wärme kalt baden, kalte Luft, Berührung

 

Apis mellifica – Honigbiene  Carbolicum acidum – Phenol
Art der Verletzung/ Lokalität Bienenstich oder Stich anderer Insekten mit Symptomen „wie ein Bienenstich“ Anaphylaktischer Schock allergischer Kollaps nach Insektenstich (Bienen!) Anaphylaktischer Schock
Symptome Stich: schnelle, starke, ödematöse, erhabene, wachsartige, durchscheinende Schwellung, berührungs- und hitzeempfindlich, jucken und brennen, Flüssigkeitsabsonderung Starke, ödematöse Schwellung von Gesicht, innerem Hals, Zunge Atemnot durch Zuschwellen des Halses körperliche Unruhe, Angst Durstlosigkeit fahler Bläschenausschlag, Nesselsucht Stich: Jucken, Brennen, Schwellung Schwellung von Gesicht und Zunge nach Bienenstich Fahles Gesicht heftige Schmerzen kommen und gehen plötzlich Hitzegefühl in Wellen („Hechel-Anfälle“) schnell voranschreitender Kräfteverfall „kalte Schweißausbrüche” (feuchte, kalte Pfoten) komatöser Kollapszustand schwacher Puls und stark verlangsamte Atmung Lähmung oder auch krampfartige Zuckungen Gesteigerte Geruchsempfindlichkeit
Besser Kalte Anwendungen, kühle Luft, im Freien Reiben, Einbinden
Schlechter Hitze, geringste Berührung Gehen, Aufrichten, geistige Anstrengung

Anwendung in der Praxis

Über Dosierung und mögliche Wiederholungen des Mittels aus der Wasserauslösung können Sie nochmal in Teil 2 dieser Serie nachlesen: Notfall-Homöopathie für Hunde II – Nach dem Zusammenstoß …. Es bietet sich auch bei Insektenstichen die C30 als Akutpotenz an. Bei heftigen Reaktionen auf Mückenstiche und Flohbisse ist Ledum häufig das angezeigte Mittel. Es leistet meist auch prompte Dienste bei Wespenstichen, insbesondere, wenn die Einstichstelle kalt bzw. nicht heiß ist und durch Kälteanwendung eine deutliche Besserung eintritt. Zeigt sich ein juckender Nesselausschlag (Urticaria), ist wahrscheinlich Urtica Urens das passende Mittel. Bei starken Ödemen oder Schwellungen an der Einstichstelle mit wachsartigem Aussehen und Hitze geben Sie Apis mellifica.

Im Falle eines anaphylaktischen Schocks machen Sie sich sofort auf den Weg zum Tierarzt und geben Sie, wenn der Kollaps im Vordergrund steht Carbolicum acidum. Ist das Ödem, bzw. die Schwellung besonders ausgeprägt, geben Sie Apis mellifica. Im hochakuten Notfall können beide Mittel alle 5 Minuten aus der Wasserauflösung wiederholt werden bis zur deutlichen Besserung oder bis zum Eintreffen beim Tierarzt und ggf. darüber hinaus.

Steht übrigens der Schmerz sehr deutlich im Vordergrund, der Stich ist an einer nervenreichen Stelle und es zeigen sich kaum Schwellung und Röte, kann auch Hypericum das passende Mittel sein (siehe ebenfalls Teil 2 dieser Serie). Weitere häufige Mittel bei Insektenstichen sind u. a. Lachesis, Vespa crabro, Staphisagria, Cantharis und Belladonna. Ich hoffe auf eine friedliche Co-Existenz von Vier- und Zweibeinern mit den so wichtigen Insekten. Haben Sie diese vier Mittel am Besten im Sommer immer dabei und brauchen Sie sie hoffentlich nie.

Homöopathie lernen

Um in solchen oder ähnlichen Fällen dem eigenen Tier auch als Laie sicher helfen zu können, bedarf es einiger Grundkenntnisse über die Homöopathie und die Kenntnis der wichtigsten Notfallarzneien – dieses kann man in wenigen Stunden erlernen. Auf dieser Webseite und natürlich in den folgenden Ausgaben der „Dogs&Jobs“ und des „Pfotenabdrucks“ der Hundelobby e. V.  erkläre ich die wichtigsten Grundlagen der Notfallhomöopathie und stelle nach und nach einige der wichtigsten Arzneien kurz vor.

Bei Interesse und bevor Sie die Homöopathie in der Praxis bei Ihrem Tier anwenden, empfehle ich Ihnen, sich mit Hilfe guter Literatur und/oder in einem Kurs weiter zu bilden. Am 07.08.2021 startet wieder unsere Online-Seminarreihe „Homöopathische Notfallapotheke für Tiere“. Auch in diesem Jahr haben wir – auf Wunsch der bisherigen Teilnehmer – zwei weitere spannende Ergänungsmodule geplant.

Fortsetzung folgt …

Freuen Sie sich auf Teil 4 der Serie: „Wenn’s chronisch wird – Grenzen der Selbstbehandlung“ sowie „Homöopathie verstehen Teil 4: Behandlung von chronischen Fälle & Handwerkzeug des Homöopathen“

Tanja Möller

Tierhomöopathin aus Leidenschaft, mit dem Ziel, Tiere auf dem Weg in und zur Gesundheit zu begleiten und dabei die menschlichen Partner bestmöglich zu unterstützen.

23. Juli 2020

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